Schmerzen gehören zum Leben jedes Menschen dazu. Sie sind ein wichtiges Warnsignal des Körpers und zeigen an, dass etwas nicht stimmt. Dennoch sollten Schmerzen nach Ansicht von Heide Kreße nicht einfach hingenommen oder still ertragen werden. Die erfahrene Schmerzexpertin war auf Einladung des Arbeiter-Krankenunterstützungsvereins Untermeitingen im Imhofstadl zu Gast und sprach dort im Rahmen der seniorenrelevanten Vortragsreihe über moderne Möglichkeiten der Schmerztherapie und den bewussten Umgang mit Beschwerden im Alltag.
Zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten den informativen Vortrag mit großem Interesse. Kreße verstand es, medizinisches Wissen verständlich und praxisnah zu vermitteln. Dabei ging es ihr nicht nur um theoretische Informationen, sondern vor allem darum, Mut zu machen und Wege aufzuzeigen, wie Betroffene aktiv zu mehr Lebensqualität beitragen können. Ein besonderes Anliegen der Referentin ist seit vielen Jahren die Weiterbildung von Pflegefachpersonen im Bereich der Schmerzerkennung, Schmerzbeurteilung und Schmerzbehandlung. Den Anstoß für ihre intensive Beschäftigung mit dem Thema gab eine persönliche Erfahrung in ihrer eigenen Familie: Die Erkrankung ihres Vaters führte ihr eindrücklich vor Augen, wie wichtig ein sensibler und professioneller Umgang mit Schmerzen ist.
Im Mittelpunkt des Vortrags stand der sogenannte multimodale Ansatz in der Schmerztherapie. Kreße erläuterte ausführlich, dass Schmerzen nicht ausschließlich mit Medikamenten behandelt werden müssten. Vielmehr könne eine Kombination unterschiedlicher Methoden oft besonders wirksam sein. Neben klassischen Schmerzmitteln spielten dabei zahlreiche nichtmedikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle. So sprach die Referentin über Wärme- und Kälteanwendungen, Atemtechniken, Wahrnehmungsübungen sowie Entspannungs- und Kreativtherapien. Auch Aromatherapie und spezielle Farbtherapiebrillen könnten helfen, das Schmerzempfinden positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus stellte sie sogenannte TENS-Geräte vor, die durch elektrische Nervenstimulation zur Schmerzlinderung beitragen können.
Besonders anschaulich wurde der Vortrag durch praktische Demonstrationen. Einige Besucherinnen und Besucher hatten die Gelegenheit, die vorgestellten Farbbrillen selbst auszuprobieren. Dabei zeigte sich, dass unterschiedliche Farben wie Rot, Grün oder Gelb jeweils verschiedene Reize auslösen und gezielt zur Stimulation eingesetzt werden können. Die Teilnehmer reagierten interessiert auf diese eher ungewöhnliche Form der Therapie und nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und eigene Erfahrungen einzubringen.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Schmerzen. Heide Kreße machte deutlich, dass akute Schmerzen eine wichtige Warnfunktion erfüllen, während chronische Schmerzen häufig das gesamte Leben der Betroffenen beeinflussen. „Wenn man weiß, warum etwas so ist, kann man besser damit umgehen“, erklärte sie. Gleichzeitig betonte die Referentin, dass jeder Mensch Schmerzen unterschiedlich empfindet und verarbeitet. Deshalb müsse jede Schmerztherapie individuell angepasst werden. Ziel aller Maßnahmen sei es, akute Schmerzen möglichst zu lindern oder zu beseitigen und Menschen mit chronischen Beschwerden ein möglichst gutes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Großen Anklang fanden die vielen praktischen Hinweise, die sich unkompliziert in den Alltag integrieren lassen. Kreße zeigte auf, dass oft schon kleine bewusste Veränderungen helfen können, das Wohlbefinden zu verbessern. Ruhephasen, gezielte Atemübungen, wohltuende Reize oder Entspannungstechniken könnten dazu beitragen, Schmerzen besser zu bewältigen und den Körper bewusster wahrzunehmen. Damit ermutigte sie die Zuhörerinnen und Zuhörer, aufmerksam auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
Neben der Schmerztherapie unternahm die Referentin auch einen kleinen Ausflug in die Naturheilkunde. Dabei hob sie insbesondere die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Löwenzahns hervor. Die Bitterstoffe der Pflanze seien keineswegs schädlich, sondern vielmehr wertvolle natürliche Inhaltsstoffe, die den Körper unterstützen könnten. Damit sei der Löwenzahn weit mehr als nur ein vermeintliches Frühlingsunkraut.

